BIOGRAFIE ODD TANDBERG

Odd Tandberg (1924-2017) war Maler, Graphiker und Bildhauer und gilt als einer der Pioniere innerhalb der nicht-figurativen Kunst der Nachkriegszeit in Norwegen. Er hat an der staatlichen Handwerks- und Kunstindustrieschule Norwegens (1942-1945) und bei der staatlichen Kunstakademie (1945-46) studiert. Ab 1946 folgte er  dem Unterricht an der königlichen dänischen Kunstakademie in Kopenhagen, sowie der Møllers Litographieanstalt. In der Studienzeit lernte er seine zukünftige Frau Elen Mathilde (Numme) Grøn-Hansen (1921-2010) kennen, die er im Februar 1947 heiratete und die für ihn zu einer wichtigen Partnerin in seiner künstlerischen Tätigkeit wurde.

 

Odd Tandberg war mehr als 70 Jahren künstlerisch aktiv. Er war ein experimenteller Künstler, der mit vielen verschiedene Materialen, Techniken und Ausdrucksformen gearbeitet hat. Seine Arbeiten sind in unterschiedlichsten Gattungen wie Gemälde, Graphik, Skulptur, Plastik, Kinetik und Ausschmückungen ausgeführt, wobei er besonders in frühen Jahren besonders viele Gemälde und Graphiken schuf.

 

Die ersten Malereien aus den frühen 40er Jahren sind in einer naturalistischen Formsprache gehalten. 1945 nahm der Künstler das erste Mal an der staatlichen Herbstausstellung teil und hatte seine erste Einzelaustellung fünf Jahre später in Oslo. Die vielen Auslandsreisen vor allem zwischen 1946 und -56, waren für die Auswicklung von Tandbergs Arbeiten entscheidend. In Paris, wo das Künstlerpaar im Bekanntenkreis um die Galerie Denise René verkehrte, in Malaga, wo sie mehrmals dauerhaft wohnten, und in i Povoa da Varzim in Portugal, wo sie Mitglieder einer Künstlergemeinschaft waren, wurde Tandberg dazu inspiriert, mit non-figurative, bzw. der so genannten „konkreten Kunst“ zu experimentieren, Kunst die keine Abstraktion von Gegenständen mehr darstellt, sondern die Schaffung von genuinen Formen zum Ziel hat. Tandberg vereinfachte zunehmend seine Motive, benutzte einen stark begrenzten Farbraum  und komponierte nun Bilder mit einfachen geometrischen Formen. In den 60er und 70er Jahren begann er sich mit stofflichen Kontrasten und dreidimensionalen Wirkungsmitteln in der Malerei zu befassen. Zudem entwickelte er ein großes Interesse für Serienmotive, indem er neue Themen in ein und demselben Motiv fand. In dieser seriell-progressiven Arbeitsweise wird auch Tandbergs Streben nach ständiger Weiterentwicklung deutlich.

 

1952 fing Tandberg an Siebdruck/Serigraphie als künstlerische Ausdrucksform zu benutzen und hat seitdem kontinuierlich mit verschiedenen graphischen Methoden gearbeitet. Seine Arbeiten zeugen von einer großen Motivation neue Techniken auszuprobieren und diese auf neue und innovative Weise zu verwenden. Diese Motivation half im dabei, eine einzigartige Ausdrucksweise innerhalb des Mediums des Metalldrucks zu finden, die sich unter anderem auf der neuartigen Kombination von verschiedenen Techniken und Materials gründet.  Auf Grund dieses Ansatzes können seine Arbeiten auch Materialbilder genannt werden. Die meisten graphischen Arbeiten sind in kleinen Auflagen gedruckt, einige davon umfassen nur 10-20 Exemplaren. Tandberg nahm an zahlreichen internationalen Graphikausstellungen in ganz Europa teil und seine Siebdruckprozesse fanden in mehreren öffentlichen Kunstwerken ihre Verwendung.

 

1957 bekam er seinen ersten größeren Auftrag für ein öffentliches Kunstwerk.Dieses bestand darin, das er Reliefs in Naturbeton für das neue Regierungsgebäudes des Architekten Erling Viksjø zeichnete. Bis heute hat Tandberg  insgesamt mehr als 50 öffentliche öffentliche Kunstwerke in Norwegen und im Ausland fertiggestellt. Vielen von den Werken sind in Beton ausgeführt, oft in Kombination mit Steinen (sogenannte „Conglomauern“), Glas oder Metallen. Ab 1980 verwendete er wiederum verschiedene Drucktechniken und experimentierte mit Reliefen in Metall wie Kupfer, Stahl oder Messing. Anfang der 60er Jahre stellte Tandberg seine ersten freistehenden Skulpturen in Naturbeton fertig und schuf bis heute zahlreiche andere Skulpturen und Plastiken in verschiedenen Materialien, wie bemaltem, poliertem oder verrostetem Stahl, eloxiertem Aluminium, und säurebehandeltem Kupfer und Messing.

 

Optische Kunst und Kinetik interessierten Odd Tandberg schon ab den frühen 60er Jahren und ab den 70er Jahren kam ein vermehrtes Interesse an Kunststoffen hinzu. In der Verbindung dieser Interessen entstanden Arbeiten, die sich der so genannten „kinetischen Kunst“ zuordnen lassen. Grundlage dieser Arbeiten sind z.B. bewegliche mit Siebdruck versehene Acrylplatten, die in einigen Arbeiten mit anderen Elementen wie Öl kombiniert werden und von Elektromotoren angetrieben dynamische und ständig wechselnde optische Wirkungen erzeugen. In den 80er Jahren verfolgte er weiterhin diese Kunstrichtung und experimentierte mit  Kunststoffen und Flüssigkeiten, die Lichtbrechungen, Bewegungen und Farbänderungen erzeugten.

 

Trotz Odd Tandbergs offenem und neugierigem Umgang mit neuen Technologien, konzentrierte er sich stets darauf einen neuen künstlerische Ausdrucke durch Form und Farbe zu finden. Seit seinen Studienjahren folgte er seiner künstlerischen Intuition und blieb der Überzeugung treu, dass bildliche Kunst für sich allein stehen und unabhängig von der Wiedergabe der Wirklichkeit sein kann. Er hat parallel in klassischen und neuartigen Kunstgebieten gearbeitet und konnte Erfahrungen aus dem einen Gebiet in die Erforschung eines anderen nutzen. Er hat in einer einzigartigen, künstlerischen Selbstständigkeit neue Ausdrucksformen, Stile und Methoden erforscht ohne künstlerischen Trends oder dem Interesse des Kunstmarkts zu folgen. Trotz der großen Anzahl monumentaler Arbeiten Tandbergs in Norwegen und anderen Ländern kennen heute nur wenige den Wert seiner gesamten künstlerischen Tätigkeit.

 

Referenzen:

Meggison, Trine Tandberg, 2009. Prosess og struktur: integrerte utsmykninger av Odd Tandberg. Master's thesis. University of Oslo.

Interview with Odd Tandberg.

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